Brettchenweben Anleitung
Grundlagen

Was man zum Brettchenweben benötigt, ist nicht viel:

  • Garne zum Weben in verschiedenen Farben
    Am leichtesten webt sich am Anfang ein mercerisiertes Baumwollgarn, welches man auch zum Häkeln von Deckchen benutzt.
    Das Garn sollte auf jeden Fall sehr reißfest sein.
  • Brettchen zum Weben (in diesem Fall 30 Stück)
    Die Brettchen bzw. Kärtchen kann man leicht selbst herstellen.
    Man braucht dazu nur ein altes Kartenspiel. Die Karten werden quadratisch zugeschnitten und mit dem Locher stanzt man in jede Ecke ein Loch. Die Ecken der Karten kann man mit einem Eckenstanzer (Fotogeschäft, Bastelzubehör) abrunden.
  • 2 Schraubzwingen
  • Stabiler Gürtel
  • kleines Webschiffchen
Ein Brettchenwebrahmen ist sehr nützlich, denn beim Weben mit dem Gürtel ist man ständig angebunden. Das ist ungeschickt, wenn das Telefon klingelt oder man sonst kurz mit dem Weben aufhören muss. Aber für den Anfang geht es auch so.
Der Inkle Loom von Ashford ist ein kleiner Bandwebrahmen, der sich zum Brettchenweben eignet. Allerdings hält er die Spannung der Kette nur bedingt aus.
Meiner hat nicht lange durchgehalten. Allerdings ist er einfach praktisch zum Mitnehmen (weil er nicht so groß ist) und deshalb habe ich mir wieder einen neuen gekauft - und versuche mit weniger Kettspannung zu arbeiten.


Mein großer Brettchenwebstuhl aus Buchenholz selbst gebaut. Nach einer Zeichnung des Buches "Zauber des Brettchenwebens" von Ottfried Staudigel


Mein Inkle Loom von Ashford

Beim "normalen" Weben sind die Kettfäden nicht sichtbar, sondern der Schussfaden. Beim Brettchenweben ist das genau anders herum. Der Schussfaden ist hier nur an den Rändern erkennbar.

Das heißt, daß sich das Muster aus den Farben der Kettfäden und der Drehung der Brettchen ergibt.
Es ist also schon am Anfang wichtig, daß man die Kettfäden mit der richtigen Farbe in die richtigen Löcher der Brettchen einfädelt.
Dazu benötigt man eine Musterpatrone, eine Vorlage...

Solche Mustervorlagen kann man im Internet finden und in Büchern über das Brettchenweben. Man kann sich natürlich auch selbst schöne Muster entwerfen. Das geht ganz leicht mit einem kariertem Blatt Papier und Buntstiften.
Zum Entwerfen von Mustern gibt es sogar ein kostenloses Computerprogramm - das GTT von Guntram. Allerdings muss ich zugeben, daß ich mit dem GTT bis jetzt nicht gearbeitet habe.
Links dazu weiter unten...

Wir werden mit dieser Musterpartone (Abb.5) arbeiten, die ich selber entworfen habe. Die Farben hat mein Sohn ausgewählt, weil das Band ein Gürtel für seine Gewandung werden sollte.
Natürlich kann man die Farben aber nach Geschmack austauschen.

 



Abb. 5 - Musterpatrone für 30 Brettchen


Bei einer Drehung der Brettchen 8 x vor und 8 x zurück ergibt sich dieses schöne Muster
Allerdings habe ich hier die Mittelbrettchen nicht mit grünen Fäden bezogen, sondern nur mit roten und blauen...
Also Brettchen 13 bis 18 grün gegen rot ausgetauscht.

In der Musterpatrone bilden die Brettchen 1 - 9 und 22 bis 30 das Randmuster.
Das Muster im Mittelteil werden von den Brettchen 10 - 21 gebildet.

Das A B C D links in der Musterpatrone bezeichnet die 4 Löcher der Brettchen. Am Anfang ist es zum Teil hilfreich, wenn man die Löcher so beschriftet.
Der Einzug der Fäden kann von vorne oder von hinten geschehen. Das nennt man S- oder Z-Schärung. Das ist am Anfang sehr verwirrend. War es für mich zumindest. Denn in den Büchern wird z.B. als S mal die hier abgebildete Schärung bezeichnet, mal gerade genau anders herum.... leider gibt es da keine gültige Norm.

Aber selbst wenn man es verkehrt herum gemacht hat, ist das bei der einfachen Schnurbindung hier nicht schlimm. Dann bildet sich das Muster beim Weben eben auf der Rückseite des Webstückes. Also nicht verwirren lassen und einfach probieren...


Abb 7

Bei mir war die erste Kette ein heilloses Durcheinander und Verknoten von Fäden. Ich war verzweifelt. Und ich habe nun schon von verschiedenen Leuten gehört, daß es ihnen nicht anders erging. Am Besten ist es, wenn man die Kette auf einem Schärrahmen oder direkt auf einem Webstuhl aufziehen kann. Aber natürlich haben die meisten Anfänger noch keinen Webrahmen oder keinen Schärrahmen...
Es muss also auch so irgendwie gehen.
Eine tolle Hilfe dabei sind zwei Schraubzwingen (gibt es billig im Baumarkt). Die kann man an einem langen Esstisch befestigen und dort die Kette spannen, ohne das sich die ganzen Fäden verwirren. Leider ist die Länge des Bandes so etwas begrenzt. Aber zum Üben am Anfang ist das eine gute Methode....

Wir fangen also an, die Brettchen mit den Fäden zu bespannen...
Nach der Patrone oben sind die ersten beiden Brettchen mit jeweils 4 orangenen Fäden bezogen. Und zwar alle mit der gleichen Schärung.
Das heißt, wir ziehen durch jedes Loch die gleiche Farbe - und zwar immer von vorne in die Löcher der Brettchen eingeführt. So, wie es auf Abb 7 beim unteren Brettchen zu sehen ist.

Dann kommt das Brettchen Nummer 3
Hier kommt in das Loch A ein grüner Faden.
Die Löcher B C D werden mit einem blauen Faden bespannt.
Wieder von vorne nach hinten....

Nach dieser Methode verfahren wir weiter bis zum Bettchen Nr. 10!
Dieses wird als Erstes von hinten her bespannt.
Das heißt, daß wir in Brettchen 10 den Faden von hinten her in das Loch fädeln. In A B und C einen roten Faden, in D aber einen blauen...

So machen wir weiter bis zum 16. Brettchen. Denn Brettchen 16 - 21 werden dann wieder von vorne her befädelt - immer mit der richtigen Farbe versteht sich...

Zum Schluss kommen dann noch die Randbrettchen 22 - 30, die dann wieder von hinten her mit den jeweiligen Farben bestückt werden.

Man kann natürlich gleich am Tisch zwischen den Schaubzwingen weben...
oder man macht an die Enden der Kette je einen Knoten und nimmt das Ganze von den Schraubzwingen ab.
Das eine Ende befestigt man an einem stabilen Gürtel (den man sich um den Bauch schnürt) und das andere an einem festen Gegenstand in der Wohnung. Zum Beispiel an der Heizung oder an einem Balken...

Auf jeden Fall ist nun schon der (am Anfang) schlimmste Teil geschafft. Die Kette ist gespannt und das Weben kann beginnen...

Dazu benötigen wir jetzt das Schiffchen, auf das wir in unserem Fall orangenen Faden aufwickeln. Denn unsere äußersten Randbrettchen sind orange bezogen und in dieser Farbe sollte man dann auch den Schussfaden wählen. Der Schussfaden ist der Faden, mit dem wir hin- und herweben.

Durch das einmalige Drehen der ganzen Brettchen erhalten wir eine Öffnung, das Webfach. Durch dieses Webfach legen wir den ersten Schussfaden und ziehen ihn leicht an. Mit der Kante des Webschiffchens kann man den Schussfaden zu sich herdrücken, damit er schön fest in der Kette sitzt.

Nachdem wir den ersten Schussfaden eingelegt, angezogen und zu uns hergedrückt haben, können wir nun den ganzen Brettchenpack drehen.
Bei unserem Muster müssen wir die Brettchen zuerst alle komplett 8 x nach vorne (also von uns weg) drehen. Nach jeder Vierteldrehung muss natürlich der Schussfaden eingelegt, angezogen und angedrückt werden.

Nachdem wir 8 x von uns weg gedreht haben, wechselt die Richtung.
Wir drehen nun 8 x zurück (zu uns hin) - wieder mit einem Schussfaden durch das Webfach nach jeder Vierteldrehung.

Das heißt:
1. Brettchen eine Viertelsdrehung wegdrehen (von uns weg nach vorne)
Schussfaden einlegen, ganz durchziehen und andrücken
2. Brettchen wieder eine Viertelsdrehung wegdrehen
Schussfaden einlegen, ganz durchziehen und andrücken
3. Brettchen wieder eine Viertelsdrehung wegdrehen
Schussfaden einlegen, ganz durchziehen und andrücken
4. Brettchen wieder eine Viertelsdrehung wegdrehen
Schussfaden einlegen, ganz durchziehen und andrücken

dann:
5. Brettchen eine Viertelsdrehung herdrehen (zu uns hin nach hinten)
Schussfaden einlegen, ganz durchziehen und andrücken
6. Brettchen eine Viertelsdrehung herdrehen (zu uns hin nach hinten)
Schussfaden einlegen, ganz durchziehen und andrücken
7. Brettchen eine Viertelsdrehung herdrehen (zu uns hin nach hinten)
Schussfaden einlegen, ganz durchziehen und andrücken
8. Brettchen eine Viertelsdrehung herdrehen (zu uns hin nach hinten)
Schussfaden einlegen, ganz durchziehen und andrücken

Einen schönen geraden Rand erhält man, wenn man das erste und das letzte Randbrettchen immer nur in eine Richtung dreht. Irgendwann verzwirnt sich durch die ständig gleiche Drehung der Faden der Randbrettchen und man muss dann die Richtung wechseln...
Erste schöne Ergebnisse erzielt man aber auch, wenn man die Randbrettchen einfach mitdreht wie die anderen Brettchen auch. Mich hat das am Anfang verwirrt - ich hatte schon genug damit zu tun, mir zu merken, in welche Richtung ich überhaupt drehen musste.
Eine kleine Hilfe dabei ist es z.B. eine Schere auf den Tisch zu legen. Und zwar immer in die Richtung, in die man gerade webt. Oder man macht sich eine Strichliste mit Kreuzchen und Kringel - man notiert nach jedem Drehen z.B. ein Kreuzchen für eine Vorwärtsdrehung. Dann weiß man, wo man ist. Allerdings werden diese Hilfen sehr schnell überflüssig. Denn am gewebten Muster erkennt man oft sehr schnell, wann man die Richtung der Drehungen ändern muss.

Willst du ein wenig experimentieren? Dann drehe doch einfach mal die Brettchen nur 4 x hin und 4 x zurück.
Oder versuche es mal mit einem 7er Rhythmus...
Es kommen dann ganz andere schöne Muster zum Vorschein.

Dies war jetzt nur ein Beispiel für ein sehr einfaches Muster.
Mit der Brettchenweberei kann man noch viel mehr machen.
Wenn man verschiedene Techniken gelernt hat, sind die Mustermöglichkeiten fast unbegrenzt.
Mit der Doubleface-Technik kann man zum Beispiel Buchstaben, Runen Fabelwesen oder andere schöne Ornamente einweben.

Wozu kann man so entstandenen Bänder verwenden?
Auch da gibt es viele Möglichkeiten.

Die fertig gewebte Borte kann man auch sehr gut an ein Stück Stoff nähen. Viele Brettchenweber engagieren sich in historischen Darstellungsgruppen und haben dadurch mit dem Brettchenweben begonnen. Denn von der Antike bis zum Mittelalter waren diese Borten und Gürtel sehr beliebt.

Schlüsselbänder oder Gitarrengürtel lassen sich aus einer schönen Borte herstellen. Man kann Taschen und alles Mögliche damit verzieren.

Hier noch die oben erwähnten Links zu tollen Brettchenweb-Seiten im Internet

Als erstes die beiden Websites, die ich zum Thema Brettchenweben für die Allerbesten halte

Guidos geniale Seite mit vielen Mustern und toller Anleitung
http://www.steinmaus.de/Mittelalter/weben/index.html

Und natürlich die geniale Website mit Austauschforum, Anleitungen, Mustern von Claudia
Mit einer super Übersetzung zu Guntrams GTT Programm
http://www.flinkhand.de

Guntrams Website
mit ganz tollen Bändern und dem GTT Programm (Guntram's Tabletweaving Thingy) zum Entwickeln von eigenen Mustern - aber auch mit ganz vielen wunderschönen Mustervorlagen für das Programm.

Monika Traub GmbH in Winterbach Tel. 07181-7091-0
Hier kaufe ich mein Leinengarn zum Weben. Und zwar Vävlin Nel 16/2 (100 g Spulen)
und Traub Leinengarn Art. 3102 Nm 10/2 (250 g Spulen).
Die beiden Garne kann man gut zusammen verwenden, weil sie nahezu die gleiche Stärke haben.